GSB 7.0 Standardlösung

Motivation ist der Schlüssel – denn nur Konsequenz führt zum Erfolg

Jeder kennt es: sich für etwas motivieren, was man nicht so gerne mag, ist nicht immer so leicht. Der Psychologie nach hilft hier das Ausmaß an Selbstbestimmtheit bzw. Autonomie. In der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan werden autonome und kontrollierte Motivationsformen unterschieden. Psychologen nehmen an, dass autonom motivierte Personen sich körperlich eher betätigen, da sie die Bewegung als ein Teil von sich selbst sehen und sie die Effekte von Bewegung für ihren Körper nicht nur kennen, sondern persönlich auch verinnerlicht haben. Kontrolliert motivierte Menschen sind dahingegen nur aktiv, weil sie sozial beeinflusst werden oder sich mit einem schlechten Gewissen gezwungen fühlen, körperlich aktiv zu sein.

An der Deutschen Sporthochschule Köln untersuchte Herr Prof. Jens Kleinert mit seinem Team genau diese verschiedenen Formen der Motivation bei 254 Patienten und Athleten mit unspezifischen Rückenschmerzen. Ziel war es, herauszufinden, ob Patienten und Nicht-Patienten sowie Athleten und Nicht-Athleten sich hinsichtlich der Übungsmotivation unterscheiden. Auch Unterschiede zwischen persönlichen und schmerzbezogenen Eigenschaften (Geschlecht, Alter, Körperkonzept und Schmerzintensität) interessierten die Forscher. In Kooperation mit Bochumer Kollegen fand die Arbeitsgruppe heraus, dass Rückenschmerzpatienten grundsätzlich relativ hoch autonom motiviert sind, also den Sinn von Rückenübungen nicht nur verstanden, sondern auch verinnerlicht haben – ein Viertel der Befragten machten Übungen sogar gern. Weitere Ergebnisse waren, dass Patienten in therapeutischer Behandlung öfter höher motiviert waren als aktuell nicht behandelte Schmerzpatienten. Positiv scheint sich auch die Teilnahme an Kursprogrammen im Gegensatz zu einem Einzeltraining auszuwirken. Darüber hinaus ist ein positives Körperkonzept bei den Befragten mit einer günstigen Bewegungsmotivation verbunden, was im Umkehrschluss auch bedeuten könnte, dass man in der Bewegungstherapie ein positives Körperkonzept entwickeln sollte, um die autonome Motivation zu verbessern.

Für die Forschungsgruppe unerwartet war allerdings, dass wettkampforientierte Athleten mit Rückenschmerzen eher ungünstig, also kontrolliert motiviert waren. Bei diesen Athleten scheinen Rückenübungen im Vergleich zum „richtigen Sport“ eher mit Müssen als mit Wollen verbunden zu sein.

Aufgrund der Ergebnisse konnten die Forscher vier Motivationsprofile unterscheiden, die ungefähr gleich häufig vorkommen. Zwei dieser Profile wurden als positiv eingeschätzt, zwei als eher negativ. Auf Basis dieser Motivationsprofile sollen nun gezielte Motivationsstrategien entwickelt werden – Patienten sollen also nicht gleich behandelt werden, sondern je nach ihren persönlichen Motivationslage individuell. Diese Patientenorientierung ist wichtig, da letztlich die Motivation die Grundlage dafür ist, dass Maßnahmen und Übungen, die vom Therapeuten oder Trainer empfohlen werden, auch durchgeführt werden. Jede Maßnahme hilft eben nur, wenn man sie auch ausführt.

Dieser Artikel bezieht sich auf die Publikation Kleinert, J., Ott, I., Mierswa, T., Levening, C., Wenge, K., Hasenbring, M., Kellmann, M. (Juni 2017). Exercise motivation and non-specific back pain: A comparison of patients and non-patients. Rehabil Psychol. 62, 363-373doi: 10.1037/rep0000149